Als Zahnärztin für German Doctors in den Philippinen Mindanao/Mindoro unterwegs – PART III

Heute schlage ich das letzte Kapitel einer Serie von Artikeln über meine Arbeit für die German Doctors auf.

Wer die ersten beiden verpasst hat und neugierig ist, worüber ich darin berichtet habe, kann das gern hier nachholen. Für Teil I klick HIER und für Teil II klick HIER.

GERMAN DOCTORS PICK UP TRUCK

Meine Gedanken kreisen heute um ein ganz bestimmtes Thema … meine Ängste und Befürchtungen, aber auch meine Träume, Wünsche und Hoffnungen.

ÄNGSTE UND BEFÜRCHTUNGEN

 

Im August began ich meine Reise und der erste grosse Schritt war auf die Philippinen zu gehen, um da für German Doctors zu arbeiten.

Viele, viele Jahre habe ich darüber nachgedacht für eine NRO (Nicht-Regierungs-Organisation) ehrenamtlich zu arbeiten und endlich war es soweit und ich habe diesen Schritt gewagt und umgesetzt.

Ich war so ängstlich und nervös und meine Gedanken kreisten sich um viele Fragen … Bin ich in der Lage diesen Job zu machen? Was werde ich erleben? Wie gehe ich mit den traurigen Dingen, die ich sehen werde um und verarbeite diese? Was, wenn ich nicht gut genug bin? Was, wenn ich versage? Wie wird mich diese Erfahrung verändern?

Ich werde versuchen all diese Fragen in diesem Artikel zu beantworten.

Ich war verängstigt, weil ich nicht genau wusste, was da so alles auf mich zukommen mag.

Aber ist es nicht immer so, wenn man eine Entscheidung trifft und einfach ins kalte Wasser springt, ins Neue und Ungewisse? Ja es ist immer so. Aber wie oft habe ich schon erlebt, dass man dann zurück schaut und sagt, war alles nicht so schlimm oder man fragt sich, warum habe ich das nicht früher gemacht?! Und wenn man dann mittendrin ist, wächst man mit seinen Aufgaben, entwickelt sich weiter und bleibt nicht stehen, macht neue und aufregende Erfahrungen und hilft bedeutende Veränderungen umzusetzen.

Trotzdem war ich soooooooooo nervös und aufgeregt an meinem ersten Arbeitstag auf der Rolling Clinic.

Ich erinnere mich noch sehr genau daran, als wäre es erst gestern gewesen.

Wir kamen in einem kleine Dorf in den Bergen namens Malitbog an.

Das Team bereitete alles für die Behandlungen vor und ich lief ganz aufgeregt, ziellos durch die Gegend. Es fühlte sich an wie Lampenfieber :) und um ehrlich zu sein, das war es auch, denn mein ‘Behandlungsstuhl’ stand immer draussen in mitten atemberaubender Natur und ich war permanent umringt von Menschen, die mir auf die Finger schauten… neugierig waren, was da passiert, wie die neue Zahnärztin so sein wird. Und glaubt mir, diese Situation erfordert einige Nerven :)

Im normalen Praxisalltag zu Hause, bin ich immer alleine mit einem Patienten und da, auf der Rolling Clinic ist es alles andere als normal, denn mindestens 30 Patienten, wenn nicht mehr, umringten mich und schauten zu, wie ich Zähne zog.

Das Gute jedoch ist, man gewöhnt sich schnell daran, ob man es mag oder auch nicht :)

PATIENTLY WAITING PATIENTS

Um die ersten Fragen von oben zu beantworten, ja ich war in der Lage meinen Job zu machen, auch wenn es nicht die perfektesten Bedingungen sind unter denen man arbeitet, aber es funktioniert und das ist was zählt, die Hilfe kommt an!

Zähne in weit abgelegenen Dörfern zu ziehen und gerade mal die grundlegendsten Instrumente zur Verfügung zu haben ist nicht unbedingt die einfachste Sache und ja manchmal war ich nicht in der Lage jeden kleinen Wurzelrest zu entfernen, aber das ist nicht das, was wichtig ist. Und es bedeutet nicht, das ich versagt habe, nein habe ich nicht, weil ich es versucht habe und mein Bestes gegeben habe und die Patienten haben dies geschätzt!

PREPARING THE INSTRUMENTS

An einem Tag erlebt ich einen beängstigenden Moment als ich eine Patientin behandelte. Eigentlich plante ich 3 Backenzähne am Stück im Unterkiefer zu ziehen. Nachdem ich 2 entfernt hatte, bemerkte ich, das es mehr blutete als es normal ist. Ich entschied mich den dritten Zahn nicht zu ziehen und ließ die Patientin auf einen Wattebausch beissen und bat sie in der Nähe zu bleiben, damit ich sie mir später noch einmal anschauen konnte. Eine halbe Stunde später blutete es immer noch heftig und auch ein erneuter Wechsel und weitere 30 Minuten später änderten daran nichts. Also entschloss ich mich, die Wunde zu nähen. Und bitte vergesst nicht, dass mir mindestens 30 Leute bei dieser Notfallsituation zuschauten! Als ich den Wattebausch entfernte, konnte ich vor lauter Blut kaum die Ränder der Wunde erkennen um zu wissen, wo ich einstechen kann… das kann einen schon nervös machen !!!! Ich glaube, da werdet ihr mir zustimmen. Und wenn ein blutiger Tupfer nach dem anderen in einen Pappkarton geworfen wird, wissen auch die rundherum stehenden Leute, dass dies keine normale Situation ist, sondern ein Ernstfall. Aber auch in dieser Notfallsituation muss ein Zahnarzt seine Nerven behalten und versuchen ruhig zu bleiben und die Behandlung durchführen. Aber … sogar nach 3 Nähten blutete es immer noch weiter! WAS???? hmmmm … es war also Zeit den Notfallkoffer zu öffnen um eine Ampulle Adrenalin herauszunehmen. Schrittweise tröpfelte ich das Adrenalin auf kleine Wattebällchen und platzierte diese auf die Wunde bis ENDLICH die Blutung zum stehen kam! :) und hey für all meine Zahnarzt-Freunde unter meinen Lesern …. ich musste die komplette Ampulle aufbrauchen! Ihr könnt euch sicher alle vorstellen, dass ich erleichtert war, als wir in die Mittagspause gegangen sind und ich mir diese auch redlich verdient hatte!

Aber nicht nur medizinische Situation können beängstigend sein und an meine Nerven gehen!

Die Region in Mindano – Philippinen in welche wir mit der Rolling Clinic fahren, ist nicht die Sicherste.

Ich weiss nicht, ob ihr es wisst, aber diese Region ist von Konflikten geprägt. German Doctors würde jedoch nie in Gebiete gehen, wo das Team in Gefahr wäre!!!!

Trotz dieses Faktes, wurden wir einmal vom Militär gestoppt und gefragt, wo wir hin wollen. Und an einem anderen Tag schaute ich während meiner Behandlung auf und plötzlich stand da ein Mann mit einem Maschinengewehr vor meinem Zahnarztstuhl. Komische und sehr bizarre Situation … und ich fragte mich, in welchem Film ich sei! Wie auch immer, er ging weg und das war auch schon alles!

Einmal fuhren wir auch in eine Region, wo wir mit dem Pick-up-truck nicht weiter kamen und diesen zurück lassen mussten. Dann stiegen wir auf Motorräder um, um die ärmsten der Armen zu erreichen, die unsere Hilfe benötigen.

on the road with motorbikes

Diese Motorräder haben rechts und links an den Seiten angebaute, aus Holz bestehende Flügel, welche die Ausrüstung und auch das Team transportierten :) um auf Strassen, welche man kaum als Strassen bezeichnen kann und welche schwer zu passieren sind, mit ausgewaschenen tiefe Rinnen, oft schlammig, die Hügel hoch und runter zu fahren und an unser Ziel zu gelangen.

Grundsätzlich liebe ich es Motorrad zu fahren, aber das war selbst für mich eine ungewöhnliche Situation, zu dritt auf dem Motorrad voll bepackt mit all dem Equipment auf gefährlichen Pfaden unterwegs zu sein. Warum das so war und was passierte?

Schaut selbst !!!

Uns ist nichts passiert und wir erreichten, wenn auch etwas mit weichen Knien, den Behandlungsort. Dieser Einsatz von allen Seiten um dahin zu gelangen war und ist wichtig, denn gerade diese Leute brauchten unsere dringende Hilfe und kein Hindernis sollte uns davon abhalten!

Wenn ich hier über Ängste schreibe …. bin ich mir bewusst, dass gerade mein Berufssparte nicht die beliebteste ist im Bereich der Medizin :) aber eins muss ich hier auch noch loswerden. Die Philippinos sind echt tapfere Helden. :)

Sie kamen zu mir, nahmen Platz auf meinem Stuhl, bekamen eine örtliche Betäubung ohne das Zahnfleisch vorher oberflächlich zu betäuben (wie es oft in modernen Ländern praktiziert wird) und sie nehmen es einfach gelassen hin und liessen sich behandeln. Selbst meine kleinsten Patienten, die mir immer sehr am Herzen liegen und manchmal gerade mal 5 Jahre alt waren, waren unheimlich mutig und tapfer.

Für die Bewohner dieser weit ab von jeglicher Zivilisation gelegenen Dörfer, ist der Besuch beim Zahnarzt weiss Gott nicht das Schlimmste. Für sie ist es, was ich nur vermuten kann, wesentlich wichtiger zu wissen, wann und wo sie das nächste Essen herbekommen. Was für uns eine der einfachsten Sachen ist , in den Supermarkt zu gehen und Lebensmittel einzukaufen, ist für sie alles andere als selbstverständlich.

Am Anfang meines Artikel stellte ich die Frage, wie gehe ich mit all dem gesehenen und erlebten Dingen um, wie verarbeite ich diese?!

Eine Art damit umzugehen, ist es hier nieder zu schreiben und euch davon zu berichten.

Das Wissen, das ich in eine andere Welt rein geboren wurde mit all den Privilegien heutzutage und das Wissen, dass diese Menschen in den Philippinen mit viel grösseren und schwierigeren Situationen umzugehen haben, macht es für mich einfacher damit umzugehen, denn ich weiss, dass sie viel schlimmere Momente durchleben, welchen ich wahrscheinlich nie ausgesetzt sein werde.

Sehr oft denke ich zurück an die Zeit in diesem wunderschönen Land Philippinen mit diesen so tollen Menschen.

Ich weiss, das ich etwas verändert habe, meine Teil dazu getan habe und das meine Ängste am Anfang normal waren. Ich habe sie überwunden und in einer Art hat es mich stärker gemacht. Dazu kommt, dass für mich so manche Dinge wieder ins richtige Licht gesetzt wurden.

Ich, wir … sollten ab und zu einen Blick auf das werfen, was wir haben, besitzen und was für uns alles möglich ist und für andere nicht so selbstverständlich …. wir sollten lernen, all dies mehr zu schätzen und uns nicht permanent über Belange zu beschweren, welche am Ende noch nicht mal wirkliche Probleme sind!!!

TRÄUME, WÜNSCHE UND HOFFNUNGEN

 

Ich bin sehr froh, dass mir die Gelegenheit gegeben wurde, einer der German Doctors zu sein und ich wünsche mir, dass ich bald noch einmal bei dieser Organisation mitarbeiten kann – ein ganz grosses Dankeschön an all die lieben philippinischen Mitarbeiter des Teams die meine Arbeit erleichtert haben mit all ihrer Hilfe! Ohne sie wäre dies alles nicht möglich!

Danke dafür, dass ich an Bord der Rolling Clinic sein durfte um den bedürftigen Menschen auf Mindanao und Mindoro zu helfen!

ME WORKING :)  EXTRACTING TEETH IN THE OPEN :)

Für die phantastischen Leute der Philippinen, insbesondere für die Kinder hoffe ich, das eines Tages grosse Veränderungen kommen mögen, die ihnen das Leben erleichtern werden und bis dahin ist sicher, dass German Doctors mit all den liebenswerten Doktoren für sie da sein wird!

Ich kann Kollegen nur dazu ermutigen auch einmal aktiv zu werden und vor Ort zu helfen. Einfach HIER klicken um mehr darüber zu lesen, wie man ein German Doctor wird.

Ich hoffe auch, dass mein Traum, die German Doctors mit meiner Spendenaktion zu unterstützen, nicht nur ein Traum bleibt, sondern ihr, meine Leser, mir weiterhin fleissig helft, diesen Traum in die Tat umzusetzen, denn diese Projekte für die ich tätig war, benötigen jeden Euro.

Schaut einfach mal bei meiner aktuellsten Challenge vorbei, neugierig was es ist? klickt HIER  und helft kräftig mit indem ihr den ‘Make a donation’-Button drückt. :)

Ein ganz grosses Danke möchte ich auch an die bisherigen Unterstützer meiner Spendenaktionen hier aussenden. Toll das ihr dabei seid!

Für all meine lieben Leser…. bleibt glücklich und gesund und bis ganz bald mit den nächsten Abenteuern der reisenden Zahnfee aus Borneo und Indonesien.

Alles Liebe

Eure Tooth Fairy

Photos credit Dr. Ify Odenigbo, Dr. Ina Riemer und Dr. Jürgen Kaiser

Posted on 21/11/2015 in Blog, Missions

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