Als Zahnärztin für German Doctors in den Philippinen – Mindanao/Mindoro unterwegs PART I

Letzten August / September war ich als Zahnärztin für German Doctors auf den Philippinen für sechs Wochen im Einsatz.

Jeden Tag fuhren wir mit deren ‚rolling clinic‘ in ein anderes Dorf irgendwo in den Bergen, weit weit weg von jeglicher Zivilisation und ich fühlte mich, als wäre ich in der Nähe von Schneewittchen und den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen.

Wie durchfuhren Flüsse, nahmen Strassen von denen man es nie für möglich gehalten hätte, dass diese überhaupt passierbar wären, schlammig, mit tiefen Spurrillen, schwer beschädigt bis hin zu nicht existierend, schwierig für Mann und Maschine zu bewältigen (in diesem Fall unser allradangetriebenes Pick-up-‚Monster‘ – siehe Foto oben). Manchmal mussten wir sogar auf Motorräder umsteigen, welche an den Seiten angebaute Flügel hatten, welche unsere Ausrüstung und unser Team trugen.

rolling clinic - through the river                  muddy road and crossing the river                  on the road with motorbikes

Aber bevor ich euch mehr darüber berichten werde, möchte ich mich bei den grossartigen Teams von Mindanao bedanken …. danke an Nelson und Lito (unsere Fahrer, meine zahnärztliche Assistenten und Entertainer des Teams), welche immer dafür gesorgt haben, dass wir sicher am Ziel ankamen, danke an Maricel und Kim (Apotheke – Versorgung der Patienten mit Medikamenten), Arnie und Ayan (Übersetzerinnen und Helferinnen für alles) und Karissa und Hapsik :))) (Patientenaufnahme) und natürlich auch ein riesiges Dankeschön an die beiden Doktoren mit denen ich unterwegs sein durfte Dr. Jürgen Kaiser und Dr. Ify Odenigbo.

Talakag-Tour-Team                  Team-work                   San Fernando - Team

und tausend Dank auch an das tolle Team der rollenden Klinik in Mindoro: Garry (Fahrer und zahnärztliche Assistenz), Aisa (Medikamentenausgabe), Laida (Patientenaufnahme), Jessica (Übersetzerin) und Dr. Ina Riemer und Dr. Nikolaus Schihin .

Mindoro - Team

….ohne all eure Hilfe und die ein oder andere Schulter um sich auszuheulen, hätte ich es nie geschafft !!!!!!

Unsere tägliche Routine bestand darin früh morgens zwischen 5 und 6 Uhr von krähenden Hähnen, bellenden Hunden aufgeweckt zu werden, um dann nach einem schnellen Frühstück auch schon an den jeweiligen Einsatzort zu fahren um da den ärmsten der Armen helfen zu können. Wir behandelten sowohl lebensbedrohliche als auch allgemeine Erkrankungen und in meinem Fall ging es den ganzen Tag darum kariös zerstöre, tief abgebrochene, schmerzende Zähne zu entfernen, was nicht immer so einfach war unter den vorhandenen Bedingungen. Aber auch, wenn nicht immer alles perfekt ausgestattet ist (im Vergleich zum europäischem Standard), ist es möglich mit den einfachsten Mittel unsere Arbeit anzugehen.

my audience for the day :)                                tooth fairy with a patient

Jeden einzelnen Tag durchlebte ich die ganze Bandbreite der Gefühlswelt und ich möchte euch mehr darüber erzählen, damit ihr verstehen könnt, was in einem vorgeht und wie es hinter den Kulissen aussieht, wenn man für eine Nichtregierungsorganisation (NRO) wie German Doctors auf der rollenden Klinik unterwegs ist.

Also werde ich hier mal meinen Gefühlen freien Lauf lassen …..

ENTHUSIASMUS UND RESIGNATION

Als ich auf die Philippinen flog um da das erste mal freiwillig in einem dritte-Welt-Land zu arbeiten, wusste ich nicht wirklich, was auf mich zukommen wird, ausser das ich wusste, es wird hart werden auf allen Ebenen.

Ich bekam die Chance, etwas von meinem Glück im Leben zurückgeben zu können und durch meine beruflichen Fähigkeiten Menschen helfen zu können, die diese Hilfe dringend benötigen und definitiv verdienen!

ICH WOLLTE DIE WELT VERÄNDERN.

Ich hatte genau das selbe Gefühl, welches ich hatte, als ich frisch von der Universität ins Alltagsleben gestolpert bin. Ich wollte jedem helfen, jeden mein Wissen vermitteln und damit die Welt verbessern.

Indem ich Zähne entfernte anstelle diese zu reparieren, habe ich die Patienten mit der absoluten Basis-version der heutigen westlichen Zahnmedizin behandelt. Aber für diese Menschen ist es die allergrösste Hilfe, die sie bekommen können und jeder Einzelne schätzte es sehr, dass ich vor Ort war um einen, manchmal zwei, drei oder noch mehr Zähne zu entfernen und ihnen damit den Schmerz zu nehmen.

Für mich als Zahnärztin war es sehr schockierend, soviel zerstörte Zähne auf einmal in einem Gebiss zu sehen, festzustellen, dass Kinder schon am Morgen zu viele Süssigkeiten bekommen weil diese preiswerter sind als so manche Grundnahrungsmittel, welche sie eigentlich benötigen würden, herauszufinden, dass manche nicht einmal eine Zahnbürste geschweige denn Zahnpasta besitzen, weil die Leute sich diesen „Luxus“ nicht leisten können.

10 years old                   18 years old                 about 60 years old

Jeden Morgen bevor wir mit unseren Behandlungen begonnen haben, wurden von unseren Assistenten Vorträge darüber gehalten, wie man richtig Zähne putzt und dies auch am Modell gezeigt, darüber was man tun kann, um Zähne gesund zu erhalten.

Nelson teaching how to brush teeth

Wenn ich dabei in die Gesichter der Menschen geschaut habe, kam es mir oft so vor wie „sie verstehen das alles nicht, was wir da erklären“, „sie hören überhaupt nicht zu“, „es ist ihnen egal“.  Manche Dinge zum Beispiel sich Sorgen darüber zu machen, wo und wann man das nächste mal etwas zu essen herbekommt sind einfach viel wichtiger für sie, was ich absolut nachvollziehen kann, weil einfach viele Leute, besonders kleine Kinder hungern und unterernährt sind.

Mein anfänglicher Enthusiasmus als ich mit dem Einsatz startete, veränderte sich zu ein wenig Resignation, weil ich realisierte, ich kann die Welt nicht verändern, ich kann nur meinen kleinen Beitrag dazu tun, um sie für den Moment ein klein wenig angenehmer für dieses unglaublich nette Volk der Philippinos zu machen.

Es wird lange dauern, durch stetige Aufklärung, kleine Dinge in deren Leben zu verändern und möge es auch nur die kleinste Veränderung sein, sie ist es wert!

seid gespannt auf das nächste Kapitel meiner emotionalen Reise mit den German Doctors – Philippinen Part II !!!!!

Alles Liebe

Eure Tooth Fairy 

Posted on 12/10/2015 in Blog, Missions

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Response (1)
  1. […] über Enthusiasmus und Resignation erzählt. Falls ihr diesen verpasst habt, dann klickt einfach hier. […]

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